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Die letzte Fabrik, in der Deutschland Computer baut
Nirgends in der Republik werden noch Computer hergestellt. Nirgends? Nein. Fujitsu-Siemens hält mit seinem Augsburger PC-Werk dagegen

Eine solche Fabrik wünschen sich viele Unternehmer in Deutschland. Wo morgens für die Arbeiter beschlossen wird, ob der Tag nun sechs, sieben oder acht Stunden Arbeit bringt. Wo mittwochs festgelegt wird, ob die Woche am Donnerstag, Freitag oder erst am Samstag endet. Eine solche Fabrik muß man in Deutschland lange suchen.

Dieter Hurler arbeitet in dieser Fabrik, die im Augsburger Stadtteil Haunstetten steht. Hier läßt Fujitsu-Siemens als einziger Hersteller PCs in Deutschland zusammenschrauben. Jeden Morgen studiert Hallenmeister Hurler seine Bestellisten. Dann ruft er die "Line-Manager" zusammen, um ihnen die Länge ihres Arbeitstages mitzuteilen. Anschließend erfahren die fünfköpfigen Gruppen an den Werkbänken, wann sie nach Hause gehen dürfen. "Unsere Fabrik atmet", sagt Produktionsleiter Walter Degle.

Das Augsburger Werk zerrt mit aller Macht am deutschen Arbeitsrecht. "Es ist kompletter Unsinn zu behaupten, daß Arbeit in diesem Land unflexibel ist", sagt Degle.

Tatsächlich geht das Unternehmen bis an die Grenze des Machbaren. "Ohne dieses Arbeitszeitsystem würde es die Produktion hier nicht mehr geben", sagt auch Betriebsratschef Otto Müller. Schon vor Jahren ist der Betriebsrat in großen Schritten auf das Management zugegangen. Damit war sogar die Arbeit an 15 Samstagen im Jahr möglich. Müller: "Wir haben uns natürlich an den Tarifvertrag gehalten." Zwar schwankt die Wochenarbeitszeit zwischen 24 und 48 Stunden, am Jahresende kommt jeder Mitarbeiter aber auf durchschnittlich 35 Wochenstunden.

In Augsburg zählt Fujitsu-Siemens knapp 2000 Mitarbeiter, von denen jedoch weniger als 800 in der Produktion arbeiten. Im kleineren Schwesterwerk im thüringischen Sömmerda sind es noch einmal etwas mehr als 400 Mitarbeiter. Hier beträgt die Wochenarbeitszeit 38 Stunden, die Samstagsarbeit ist zuschlagsfrei.

In den 8000 Quadratmeter großen Fabrikhallen in Augsburg ist es erstaunlich ruhig. In zehn Produktionslinien sind jeweils fünf Menschen damit beschäftigt, Festplatten, Laufwerke und Hauptplatinen zu Computern zusammenzuschrauben. Jeder Handgriff ist zwangsläufig tausendfach geübt und sitzt. Nach sechs bis acht Minuten ist der PC fertig.

"Die Roboter haben wir vor mehr als sieben Jahren herausgerissen", sagt Degle. "Wir können die Computer billiger selbst in die Kartons packen." Zu aufwendig wäre die Umprogrammierung der Maschinen. Bei Produktzyklen von sechs bis acht Monaten stellt Fujitsu-Siemens hier 50 verschiedene Geräte her.

Trotz Tarifvertrag ist die Arbeitszeitreglung dehnbar wie ein Gummiband. Das Werk kann seine Produktion je nach Auftragslage beliebig hoch- und wieder runterfahren. Innerhalb von höchstens zwei bis drei Tagen ist das Management in der Lage, Leiharbeiter für einen Stundenlohn von 15 Euro anzufordern und auch wieder zu entlassen. Allein im Februar standen in Augsburg 460 Leiharbeiter an der Werkbank.

"Nur wegen unserer Leiharbeiter können wir zu diesen Kosten produzieren", sagt Betriebsratschef Müller. Insgesamt sei man so für die Zukunft gerüstet. Müller: "Fujitsu-Siemens Computers ist zwar nicht auf Rosen gebettet, aber die Dornen sind nicht mehr so spitz wie noch vor Jahren." Insgesamt lebt die Branche wegen des scharfen weltweiten Wettbewerbs von äußerst geringen Margen. Bei Fujitsu-Siemens sind es derzeit weniger als zwei Prozent.

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